DIRK
NOWITZKI
Dieses leichte Schnalzen, wenn der Ball ins Netz fällt, „so ein Ssswisch“ – das, sagt Dirk Nowitzki, sei einfach „ein geiler Ton“. Der Basketballer ist süchtig nach diesem Geräusch, und dass er es sooft hört, spricht für seine Extraklasse. Vor vier Jahren ging er, ein wortkarges, verhuschtes Riesenbaby aus Würzburg, in die USA, um in der besten und härtesten Basketballliga der Welt sein Glück zu versuchen. Heute hält ihn das Gros der Experten für den besten Nicht-Amerikaner, der je in der NBA gespielt hat. Ein cooler, unaufgeregter Superstar ist aus Nowitzki geworden, so locker, so selbstverständlich, „als sein er auf einem Sportplatz in New York City geboren“ („Sports Illustrated“). Der Online-Dienst des Time Magazine wählte Nowitzki Anfang Mai zum „Mensch der Woche“, weil „er neuen Spaß ins Spiel brachte und das Versprechen auf Globalisierung eingelöst hat“. Aus seinem Allerweltsclub, den Dallas Maverics, machte der 2,11 Meter-Mann ein Siegerteam. Klar, dass die Branchenführer aus L.A. und New York ihn gern hätten. Wird aber nix, sagt Nowitzkis Club-Boss Mark Cuban: „Wir geben ihn nicht her. Dirk ist unsere Gegenwart und unsere Zukunft“. Schlappe 90 Millionen Dollar Gage lassen sich die Mavericks das für die nächsten sechs Jahre kosten. Er käme mit weniger aus. „The Würzburg Wonder“ („Sports Illustrated“) wohnt in Dallas auf 70 Quadratmeter, möbliert mit „IKEA auf amerikanisch“, bis vor kurzem tauchte er mit einem klapprigen Nissan beim Training aus. Nebenbei liest er schon mal Philosophen wie Carl Friedrich von Weizsäcker und spielt Saxophon und Gitarre. Vermisst „die Knödel meiner Mama“. Und seine Freundin Sybille, die immer noch in Würzburg lebt, weil sie die USA nicht besonders mag. Die „stabile Fernbeziehung“ funktioniert und übersteht auch seltsam-absurde Gerüchte wie das um eine Affäre mit Geri Halliwell. Nix war da, weil Nowitzki treu ist und still und zu schätzen weiß, was er hat. Um sein Geld kümmert sich seine Mutter, sein Manager ist immer noch sein Entdecker aus der Fränkischen Heimat. Und der wird noch lange zu tun haben mit dem vorbildlichen Wunderknaben. „Ich spüre, da ist noch mehr drin“, sagt Nowitzki, „ich habe noch Ziele“. Zum Beispiel die Weltmeisterschaft ab dem 28. August in Indianapolis. Und dann: Bester Spieler der Welt zu werden. Der Weg dahin ist, bei aller Bescheidenheit, gar nicht so weit. Höchstens ein paar tausend Ssswischs.
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© Stephan Bartels, 2005-08