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Das perlt aber!

Erst verschaffte Olli Dittrich seinem Kumpel Jon Flemming Olsen einen Job als Imbisswirt in seiner Comedy-Show „Dittsche“. Jetzt revanchiert sich „Ingo“ und engagiert Dittrich als Schlagzeuger ür seine Band TEXAS LIGHTNING. Das Ergebnis: großartige Country-Musik

Eins mal vorweg: Country ist nicht gleich Country. „Das Zeug aus Nashville“, sagt Jon Flemming Olsen, „das ist die böse Seite des Country“, kommerziell, herzlos, stereotyp. Und die gute? Die kommt laut Olsen aus Texas, „da ist Country traditionell, und er erzählt kleine Geschichten von ehrlichen, einfachen Leuten“. Das mag der Hamburger, „deshalb heißt unsere Band ja auch ,Texas Lightning‘ und nicht ,Nashville Lightning‘“. Er selber singt und spielt Gitarre, beides extrem gut, „The Flame“ nennt er sich auf der Bühne. Im wirklichen Erwerbsleben ist Jon Flemming Olsen selbständiger Grafiker und Designer, Spezialität: Plattencover. Das muss erwähnt werden, weil ein großer Teil der Nation glaubt, ihm würde in Hamburg ein Imbiss gehören. Seit mehr als eineinhalb Jahren nämlich (und ab dem 23. Oktober wieder) gibt er, quasi im Drittjob, als kongenialer Partner von Olli Dittrich in der WDR-Fernseh- Show „Dittsche – das wirklich wahre Leben“ den Imbisswirt Ingo, und zwar so gut, dass eine ganze Reihe von Zuschauern ihn für authentisch halten.

Jon Flemming Olsen hat nie zuvor geschauspielert, bekommt kein Drehbuch und improvisiert wie ein Großer, wenn Dittsche auf der anderen Seite des Tresens in der „Eppendorfer Grill-Station“ loslegt: ein Langzeitarbeitsloser und Hobbyphilosoph mit abstrusen Ideen („In Bochum sind alle Möwen schwul“) und viel Durst („Das Pils perlt aber heute wieder!“), der für Ingo die Schlagzeilen der Woche auf seine absurde Art interpretiert. Olsen wurde als Ingo zum beliebtesten Frittenbudenchef der Republik – und Dittrich zu einem der erfolgreichsten Comedians, den Grimme-Preis gab’s als Zugabe. Dabei wollte Olli Dittrich eigentlich Popstar werden. Wirklich, 1975 schon hatte er eine Single geschrieben, die sachlich richtig „Ich bin 18“ hieß und zu Recht schnell vergessen wurde. Als Autodidakt brachte sich der Hamburger das Gitarre- und Schlagzeugspielen bei. Er fing bei einer Plattenfirma an, zuerst als Lagerist, später als Produktmanager. Und das nur, um seinem Traum näher zu kommen, „dabei war ich nie so weit weg davon wie damals“, sagt er. Dittrich spielte in mehreren Bands, jedoch ohne besonderen Erfolg. Ende der 80er verabschiedete er sich schließlich von der hübschen Idee, weltweiten Ruhm über die Musik zu erlangen. Immerhin fand er in einer seiner Bands einen Freund fürs Leben – Jon Flemming Olsen.

Seit gut fünf Jahren ist Olsen das Herz und die Seele von „Texas Lightning“, einer Freizeit-Countryband, die sich bisher einer eher kleinen und feinen Fan- Gemeinde erfreute. Im letzten Winter kam Olsen der Schlagzeuger abhanden. Er trug seinem alten Kumpel Olli den frei gewordenen Posten an, und der sagte prompt zu. Seither sitzt er als „Ringofire“ an den Drums und hat deutlich seinen Spaß dabei. Diesmal sind die Rollen vertauscht: Dittrich sitzt, so ist nun mal das Rockband-Gesetz, hinter seinen Trommeln im Hintergrund der Bühne, während der 40-jährige Olsen vorn steht und singt. Und zwar extrem gut – zusammen mit der Co-Sängerin Jane Comerford, einer Rancher-Tochter („nicht Farmer!“) aus Australien, verfügt die Band über Vokalisten, die ihresgleichen suchen.

Mit dabei sind noch Uwe Frenzel am Bass und der Gitarrist Markus Schmidt – gemeinsam spielen sie Country-Klassiker wie „These Boots Are Made For Walking“, aber auch Songs wie „Like A Virgin“ von Madonna oder „ Highway to Hell“. „Songs mit einem Country- Herz“, sagt Olsen. Und ein Country-Herz, das haben sie auch, die Herren Olsen und Dittrich. „Texas Lightning“ sind eben nicht das perfekt gestylte, lustige Nebenprojekt eines gelangweilten Schauspielers – hier wird Musik um ihrer selbst willen gemacht. Umso besser, dass sie verspricht, ein Mordserfolg zu werden. Klar weiß Olsen, dass die Aufmerksamkeit für die Band viel mit dem Kultstatus von „Dittsche“ zu tun hat – aber das stört ihn überhaupt nicht. Er freut sich darüber, und Olli Dittrich sowieso. Der war vor zehn Jahren übrigens doch noch zu einem Popstar geworden: Im Fahrwasser des Erfolges von „RTL Samstag Nacht“ hatte er zusammen mit Wigald Boning das Blödel-Duo „Die Doofen“ gegründet. Und landete prompt einen Nonsens-Nummer-1-Hit namens „Mief“.

„Meanwhile, Back At The Ranch“ heißt die hervorragende Platte der texanischen Blitze. Sie sind gerade unterwegs in Deutschland, am 1. Oktober endet die Tour in München. Und spätestens dann wird allen klar sein, was für ein guter Musiker der „Ingo“ aus Dittsches Imbiss ist. Und dass Olli Dittrich ein ganz Großer ist. Oder, wie Dittsche sagen würde: ein reiner Titan.

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© Stephan Bartels, 2005-08

 

 

   
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