DOLLY
BUSTER
Die Lieblingsstellung von Dolly Buster ist der Lotussitz. Wenn sie den einnimmt, sagt die praktizierende Buddhistin, „lerne ich, den Geist zu zähmen, der wie ein springender Affe ist“. Das tut Not, schliesslich ist die 30-Jährige im äußerst stressigen Pornobuissness tätig – ein Beruf, in dem man viel einstecken können muss. In 50 Filmen („Sex-Sklavin Sylvia“) hat die dralle Blondine (106 Zentimeter Silikonumfang) mit mehr als 100 Männern koitiert und ist so zur „Mutter aller Pornoschlachten“ („News“) geworden. Vor knapp drei Jahren nun wechselte Buster hinter die Kamera, weil sie sich bei den Sexszenen „nicht mehr meine Bandscheibe ruinieren lassen wollte“. Doch auch als Produzentin und Regisseurin von Hardcore-Streifen hat die gebürtige Tschechin Erfolg. Und belegt nebenbei, dass Pop womöglich doch von Poppen kommt – Katja Bochnicková, wie Buster bürgerlich heisst, war bei Böttinger, Harald Schmidt und Stefan Raab, drehte Spassiges mit Hape Kerkeling und einen Aufsehen, genau, erregenden Werbespot für Premiere. Sogar der altehrwürdige Wiener Opernball schmückte sich gegen eine Aufwandsentschädigung von 150 000 Mark mit der Anwesenheit der Ex-Horizontalartistin. „Wer soviel Geld nicht nimmt, ist blöd“, beschied Buster – und spendete den Zaster umgehend an Obdachlose und die Aids-Hilfe. Wer da noch an ein blondes Dummchen glaubt, liegt neben der Spur. Buster ist selbstbewusst, clever und mit einem großen Herzen ausgestattet. Roger Willemsen fand schon vor Jahren, dass sie „einer der interessantesten Menschen in Deutschland ist“, und Karl Lagerfeld jubelte: „Endlich mal eine Frau, die aus ihrem Typ was macht!“ Wer so gefeiert wird, darf auch ein Buch schreiben (lassen): „Alles echt! – Durchhänger und andere Höhepunkte“ (Knaur) heißt die Anekdotensammlung der Pornoqueen – ein nett zu lesendes und komplett unschmuddeliges Werk. Überhaupt: Mit ihrem Mann, dem Pornoproduzenten Dino Baumberger, und ihren Boxer-Hunden Benny und Mike führt sie im niederrheinischen Wesel ein unspektakuläres, fast schon asketisches Leben. „Dino und ich schlafen lieber vor dem Fernseher ein, als uns Pornofilme anzusehen“, sagt Buster. Können wir verstehen: Wer nimmt sich schon gern Arbeit mit nach Haus?
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© Stephan Bartels, 2005-08