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WM-COUNTDOWN

Liebe und Hass, Trauer und Freude: Fußball ist 90 Minuten geballte Leidenschaft. Noch sechs BRIGITTE-Ausgaben bis zum Anpfiff – wir stellen in jeder einen Fußballstar vor, der Emotionen weckt und lebt

Didier Drogba und der Stolz

Mal angenommen, Sie sind in Abidjan, der Hauptstadt der Côte d’Ivoire, zu Deutsch: der Elfenbeinküste. Es ist häufig heiß dort, die Luftfeuchtigkeit hoch. Sie gehen in eine Kneipe, um ein Bier zu trinken. Sie rufen einfach laut: „Drogba!“ Was Sie bekommen? Einen Liter Starkbier der Marke „Bock Solibra“. Das beste am Ort. Das stärkste dazu. Der Elefant unter den Bieren. Die Ivorer haben ihr größtes und stärkstes Bier einfach nach ihrem größten und stärksten Fußballer benannt – Didier Drogba.

Der 28-Jährige ist das Aushängeschild seines Teams. Und auf das ist man stolz im Westen Afrikas. Sehr stolz. Im Juni ist die Elfenbeinküste zum ersten Mal bei einer WM dabei. Das ist großartig für ein Land, das permanent am Rand eines Bürgerkriegs steht. Mehr noch: Es stiftet Frieden, weil es endlich etwas gibt, auf das sich alle Ivorer über Stammesgrenzen hinweg freuen können. Und darauf ist Didier Drogba sehr stolz. „Das Team ist so, wie die Elfenbeinküste einmal war und sein sollte“, sagt er, „bei uns spielen die verschiedenen Volksgruppen zusammen, und wenn ein Tor fällt, fragt keiner nach der Stammeszugehörigkeit.“

Die „Elefanten“, so nennen die Fans ihr Team. Drogba aber, der Kapitän der Mannschaft, hat bei seinen Mitspielern den Spitznamen „Pferd“. Man braucht ihn bloß spielen zu sehen und ein bisschen Fantasie, dann sieht man, warum: Drogba ist dynamisch, schnell, ungemein kraftvoll, dabei wendig, sprunggewaltig und von geschmeidiger Eleganz. Aber seine körperlichen Attribute, sagt sein Landsmann Kolo Touré, machen nur einen Teil des Kosenamens aus: „Didier ist ein sehr gutmütiger, sanfter Typ, fast ein bisschen scheu.“

Tatsächlich sind die ivorischen Kicker sehr redselig geworden, so stolz sind sie auf die WM-Teilnahme. Bei Länderspielen teilen sie ihr Glück gern, oft und lange mit Reportern. Bloß nicht Drogba. Alle stürzen sich auf ihn, das Alpha-Tier, aber er lässt die Reporter zumeist stehen. Das ist keine Arroganz – der Rummel ist ihm schlicht unangenehm. Im Grunde will er nur zu Hause sein, bei seiner Frau und den drei Kindern. Muss doch reichen, dass er auf dem Platz aus sich herausgeht, mit unbändigem Siegeswillen und einer physischen Präsenz, die Gegenspielern durchaus Angst machen kann. Er ist ein großartiger Stürmer, sein Kopfballspiel wird weltweit gefürchtet – auch deshalb spielt er seit fast zwei Jahren beim FC Chelsea in London, einem der Top-Vereine Europas. Im letzten Jahr hatte Drogba großen Anteil daran, dass Chelsea nach 50 Jahren wieder englischer Meister wurde. Auch das macht die Menschen an der Elfenbeinküste stolz: dass einer von ihnen so wichtig ist für einen Club mit Weltniveau.

Aber Didier Drogba ist beileibe keine Tormaschine, manchmal hat er seine Nerven nicht so richtig im Griff. Im Finale des Afrika- Cup im Februar versemmelte er kurz vor Schluss einen todsicheren Ball aus fünf Metern, es wäre der Siegtreffer gegen Ägypten gewesen. Und im anschließenden Elfmeterschießen verloren die „Elefanten“, weil auch hier der Kapitän kläglich verschoss.

Aber das passiert nun mal selbst Spitzenfußballern. Bei der Weltmeisterschaft in Deutschland kann die Sache ganz anders aussehen. Wenn Drogba dort trifft, wird er sein Land wieder in friedensstiftende Euphorie versetzen. Dass er dazu alle Möglichkeiten hat, attestiert ihm sogar die Konkurrenz. Zum Beispiel Oliver Kahn: Drogba sei ein wahrer „Gigant“, ließ der deutsche Torwart-Titan verlauten. So ein dickes Lob von Kahn? Da kann er echt stolz drauf sein, der Didier Drogba.

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© Stephan Bartels, 2005-08

 

 

   
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Kontakt und Impressum

 

Didier Drogba
Alter: 28 Jahre
Größe: 1,88 Meter
Gewicht: 84 Kilo
Verein: FC Chelsea London
Familienstand: verheiratet, drei Kinder
Besonderes Kennzeichen: bescheidener Volksheld
Spezialität: sensationelle Kopfbälle
Basislager während der WM:
voraussichtlich Vitalia-Seehotel, Bad Segeberg bei Hamburg
Erster Auftritt bei der WM:
10. Juni um 21 Uhr in Hamburg beim Spiel Argentinien – Elfenbeinküste