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ROBERT CARLYLE

Wir müssen Sie warnen. Sollten Sie ausdifferenzierte Texte bevorzugen, Geschichten, die kritisch auch die dunklen Facetten einer Persönlichkeit beleuchten – dann blättern Sie am besten gleich weiter. Das hier wird eine haltlose Hymne, eine hemmungslose Schwärmerei, ach was: eine Huldigung! Robert Carlyle ist der Mann, vor dem wir hier symbolisch auf die Knie gehen.

Okay, zugegeben: So richtig hübsch ist er nicht. Verdammt dürr, der Schotte, gerade mal kurz über 1,70 dazu, und, ehrlich gesagt: Was der Schauspieler in seiner Freizeit daheim in Edinburgh so treibt, weiß kein Schwein, nicht mal die klatschsüchtige britische Yellow Press. Weil’s in diesem Fall keinen juckt. Schauen Sie mal in diese Augen: Da ist Tiefe. Da ist Ausdruck. Da ist Seele. Dadurch besticht Carlyle in seinen Filmen – und durch sein großartiges Schauspiel.

Und das nicht in lukrativen Hollywoodschinken, so sehr Hollywood auch bettelt: Bobbie (so nennen ihn Freunde, und wir zählen uns nur zu gern dazu) spielt fast ausschließlich Stoffe mit sozialen Anspruch. „Im Grunde ist Schauspiel eine so nichtige Angelegenheit“, sagt der 42-Jährige, „dass man sein Können für etwas nutzen sollte, das eine Aussage hat“.

Da kennt er sich aus. Bei seinem Hippievater wuchs er auf, schmiss mit 16 die Schule, um sich mit seinem Paps die kalten Glasgower Winter als Anstreicher auf Baustellen um die Ohren zu hauen. Am meisten hätte er von seinen Vater gelernt, sagt Bobbie: „Er musste den Leuten vom Sozialamt immer etwas vorspielem, um das Sorgerecht für mich zu behalten“.

Mit 20 fiel ihm Arthur Millers Theaterstück „Hexenjagd“ in die klammen Finger. Und plötzlich hatte Carlyle eine Berufung: Schauspieler. 1990 gab er sein Kinodebüt – in „Riff-Raff“, mit einer Rolle als Arbeitsloser. Es folgten der Schläger Begbie in „Trainspotting“, der bettelarme irische Vater in „Die Asche meiner Mutter“ – und, hach, die Rolle des mittellosen Gaz in der genialen Men-Strip-Komödie „Ganz oder gar nicht“. Er spielte Massenmörder, Psychopathen und skrupellose Räuber – und zwar so, dass man auch die miesesten Schurken sofort auf ‘ne Käsestulle eingeladen hätte. Neulich war er in einem US-TV-Film sogar Adolf Hitler, und zwar mit menschlichen Zügen. Den Film mochte das Fernsehpublikum nicht – Robert Carlyle aber bekam all den Respekt, der ihm zusteht.

Männer mit Prinzipien und goldenem Herzen werden eben immer geschätzt.

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© Stephan Bartels, 2005-08

 

 

 

   
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