WILLIAM
H. MACY
Jaja, okay, schon klar: Man soll Schauspieler nicht mit ihrer Rolle verwechseln, in Wirklichkeit sind die ganz anders (mal abgesehen von Arnold Schwarzenegger) und so weiter und so fort, blablabla. Aber schauen Sie in diese Augen uns seien Sie ehrlich: Können Sie sich vorstellen, dass William H. Macy ein glücklicher Mann sein könnte? Kann kein Mensch, schon gar nicht in Hollywood, wo der Kerl mit dem traurigen Dackelblick seine Brötchen einspielt. Da bekommt er bloß Rollen jenseits aller Mitleidsgrenzen: den farblos-verzweifelten Familienvater in „Pleasentville“, dessen Schein-Idyll zerbricht. Den betrogenen Ehemann in „Boogie Nights“. Verdammt, selbst als Mörder tut er einem irgendwie leid — in „Fargo“ wollte er so gern ein kaltblütiger Killer sein und verpaddelt doch alles.
Oscarnomminiert war dafür, Kategorie Nebenrolle. Was sonst? Er mäandert als personifizierte Nebenrolle durch die Filmwelt, als einer, dessen Gesicht man nie vergisst – aber der Name dazu fällt einem partout nicht ein. Dabei ist der Mann einer der Besten seiner Zunft. 1990 kam er von die Ostküste nach Los Angeles – ein anerkannter Theatermann von 40 Jahren, der sich in der Stadt der Engel wieder ganz hinten anstellen musste. Als Kulissenbauer am Set hat er gejobbt, bevor er von der Filmerei leben konnte. Heute flitzt er im grünen Porsche durch Südkalifornien, ansonsten ist er gestylt wie der freundliche Realschullehrer von nebenan. Hat eine Frau und zwei kleine Kinder. Ist ein allürenfreier, akkurater Arbeiter, gewissenhaft bis ins Detail. Er ruhe in sich, seit er es geschafft hat in Hollywood, sagt der 53-Jährige. Aber nicht immer: Da sind diese „Depressionen in regelmäßigen Schüben, so alle sechs Monate“, sagt Macy. Am 11. März kommt er als „The Cooler“ in unsere Kinos. Zur Abwechslung in einer seiner raren Hauptrollen. Keine Abwechslung die Figur – er spielt einen Pechvogel, dessen Unglück sogar ansteckend ist. Deshalb wird er in einem Casino in Las Vegas stets neben Spieler mit Glückssträhnen gestellt. Der Job aber gerät in Gefahr, als sich ein wunderbares Mädchen in diesen Bernie verliebt. Da stiehlt sich ein zarter Strahl des Glücks sich auf das Antlitz des William H. Macy. Das Herz geht einem auf vor Rührung und Freude für ihn. Und für ein paar Momente vergisst man, dass es bloß ein Film ist.
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© Stephan Bartels, 2005-08